Reflowlöten / Dampfphase

Reflowlöten ist das dominierende Massenlötverfahren der Elektronikfertigung. Die zuvor gedruckte oder dosierte Lötpaste wird in heißer Luft oder in heißer Stickstoffatmosphäre aufgeschmolzen, wodurch die Bauteile stoffschlüssig und leitfähig mit der Leiterplatte verbunden werden. Das Dampfphasenlöten ist die Variante für wärmeempfindliche Baugruppen: Statt Konvektionswärme nutzt es die Kondensationswärme einer inerten Flüssigkeit. Für beide Verfahren entscheidet die Lötpaste über das Ergebnis – über Benetzung, Lunkerbildung und Langzeitzuverlässigkeit.

  • 215°C
    Siedepunkt Fluorinert FC-70
  • 139°C
    niedrigster Schmelzpunkt (Sn-58Bi)
  • L0–M1
    Flussmittelklassen nach IPC J-STD-004
  • 13
    Legierungen im Reflow-Programm
Verfahrensvergleich

Reflowlöten und Dampfphasenlöten

Beim konventionellen Reflowlöten wird die Lötpaste in heißer Luft oder in heißer N₂-Atmosphäre aufgeschmolzen. Beim Dampfphasenlöten (VPS) dient der Dampf inerter Fluoridflüssigkeiten als Wärmeträger – vorwiegend Fluorinert FC-70 von 3M mit einem Siedepunkt von 215 °C.

Konvektions-Reflow

Die Lötpaste wird in heißer Luft oder heißer Stickstoffatmosphäre aufgeschmolzen. Das dominierende Massenlötverfahren.

Kennzeichen

  • bewährt und weit verbreitet
  • Löten unter Stickstoff möglich
  • Lunker lassen sich per Vakuumschritt abführen

Dampfphase (VPS)

Der Dampf einer inerten Fluoridflüssigkeit dient als Wärmeträger. Genutzt wird die beim Übergang von der Dampf- in die flüssige Phase freigesetzte Kondensationswärme – die Wärmeübertragung ist damit schneller als beim Konvektions-Reflow-Löten.

Kennzeichen

  • homogene Temperatur, keine Hitzebeschädigung der Leiterplatte
  • geringere Überhitzung als beim Infrarot-Reflow – Flussmittelrückstände lassen sich leichter entfernen
  • das Lot oxidiert nicht – ein schwächer aktiviertes Flussmittel genügt
  • flächendeckende Erwärmung: kleine Chips lassen sich unter größeren Bauteilen montieren

Was dagegen spricht

  • hoher Preis der inerten Flüssigkeit
  • Gefahr der Verschmutzung durch Flussmittel
  • keine Selektion einzelner Bauteile möglich
Qualitätsthema Nr. 1

Lunker – gasförmige Einschlüsse in der Lötverbindung

Poren führen zu einer geringeren Wärmeleitfähigkeit. Bei Bauteilen mit hohen elektrischen Strömen kann die entstehende Wärme nicht mehr ausreichend über die porenbehaftete Lötstelle abgeführt werden – es kommt zu hohen Bauteiltemperaturen und letztlich zu geringerer Leistungsfähigkeit oder Bauteillebensdauer.

Konventionell erstarrt Poren senken die Wärmeleitfähigkeit Nach dem Vakuumschritt massivere Lötstelle, höhere Wärmeleitfähigkeit
Schematische Darstellung, keine Messwerte. Beim Aufschmelzen der Lötpaste entstehen gasförmige Einschlüsse, die im konventionellen Reflow-Prozess durch das Abkühlen und Erstarren des Lots eingeschlossen werden. Beim Vakuum-Reflow-Löten folgt nach dem Aufschmelzen ein Vakuumschritt, in dem sich die Poren ausdehnen und über die Lötstellenoberfläche ins Vakuum abgeführt werden.

Warum das zählt

Lebenserhaltende Geräte, die Steuerungstechnik im Flugzeug und das Fahrassistenzsystem im Automobil haben eine Gemeinsamkeit: Sie müssen über viele Jahre absolut sicher funktionieren. Eine Bedingung dafür ist eine hochfeste, nahezu porenfreie Lötverbindung.

Zwei Hebel dagegen

Der erste ist die Prozesstechnik – der Vakuumschritt nach dem Aufschmelzen. Der zweite ist die Lötpaste selbst, mit Low-Voiding-Rezepturen wie NH(LVA) und SUC-UI.

  • NH(LVA) (L0) reduziert Lunker deutlich und verbessert zugleich die Druckbarkeit
  • SUC-UI (L1) ist auf besonders geringe Lunkerbildung ausgelegt

Mehr dazu im Expertenbericht „Vakuum-Reflow-Löten".

Empfehlungen

Almit-Lötpasten für den Reflow-Prozess

L1 · Topseller

GT(R)-SR

Optimale Benetzung auf unterschiedlichsten Oberflächen, exzellentes Druckbild auf kleinsten Strukturen, Pin-in-Paste-tauglich.

L0 · halogenfrei

NH-GE

Aktuelle Top-Empfehlung unter den halogenfreien Pasten: Dual-Boost-Aktivierung, meistert auch herausfordernde Reflow-Profile.

Alle Flussmittelsysteme für Reflowlöten und Dampfphase
SystemKlassePositionierung
GT(R)-SRL1Aktueller Topseller: optimale Benetzung, exzellentes Druckbild, Pin-in-Paste-tauglich
NH-GEL0Top-Empfehlung halogenfrei: Dual-Boost-Aktivierung, meistert herausfordernde Reflow-Profile
NH IMTL0Halogenfrei mit dem Benetzungsverhalten einer L1-Paste, THR-tauglich
TM-HPL1Der langjährig bewährte Klassiker, stabiles Druck- und Reflow-Verhalten
NH(LVA)L0Low Voiding: reduziert Lunker deutlich und verbessert zugleich die Druckbarkeit
SUC-UIL1Besonders geringe Lunkerbildung, für zuverlässige thermische und elektrische Anbindung
TM-HP SL1Low Slumping: hohe Formstabilität des Druckbilds, für feine Strukturen
NH-GE(H)L0NH-GE mit erhöhter Viskosität für besonders standfestes Druckbild
MR-NHL0Für kritische Area Ratio – siehe Schablonendruck
HM1 RMAL1Der bewährte Allrounder für bleihaltige Reflow-Prozesse
HA2-RAM1Bleihaltiger Klassiker mit kraftvoller M1-Aktivierung
SNTPL1Für Package-on-Package (PoP) entwickelt, Korngröße 5–15 µm
FSL1Für feinste Lotpulver (Typ 5 und feiner), optimiert für das Löten unter Stickstoff

Flussmittelanteile liegen je nach System zwischen 9,5 % und 20 %, Korngrößen zwischen 4–24 µm und 25–45 µm.

Legierungen

Vom Industriestandard bis 139 °C

Dreizehn Legierungen decken den Reflow-Bereich ab – von der niedrigschmelzenden SnBi-Legierung über den Standard SAC305 bis zu den Hochtemperatur-Antimonlegierungen.

Eutektische Legierungen haben einen definierten Schmelzpunkt statt eines Schmelzbereichs – ihr Balken ist deshalb nur ein Strich. Bleihaltige Legierungen sind hell dargestellt.

Dieselben Legierungen mit Zusammensetzung und Charakter
LegierungZusammensetzungSchmelzbereichCharakter
LFM-48 (SAC305)Sn-3.0Ag-0.5Cu217–220 °CIndustriestandard, weltweit qualifiziert
LFM-82 (SAC396)Sn-3.9Ag-0.6Cu217–218 °CErhöhter Silberanteil, ermüdungsfeste Lötstellen
LFM-14Sn-3.5Ag-0.7Cu217–218 °CSilberreich, belastbare Verbindungen
SJM-03Sn-0.3Ag-0.7Cu-2.0Bi210–225 °CSilberarm, langzeitzuverlässig
SJM-40Sn-4.0Ag-2.0Bi-3.0Sb221–227 °CHöchste Langzeitzuverlässigkeit, bewährt in Luft- und Raumfahrt sowie Defense
LFM-34Sn-3.5Ag221 °CEutektisch, hohe Verbindungsfestigkeit
LFM-90 (SAC107)Sn-1.0Ag-0.7Cu217–221 °CSilberarm, kostenoptimiert
LFM-65Sn-58Bi139 °CEutektisch, niedrigschmelzend
LFM-70Sn-3.5Ag-0.5Bi-8.0In194–206 °CIndiumhaltige SABI-Legierung
LFM-57Sn-5Sb235–240 °CHochtemperatur, silberfrei
LFM-74Sn-10Sb246–258 °CHochtemperatur, silberfrei
Sn62Sn-2.0Ag-36.0Pb179–190 °CBleihaltig, reduziert Silberablegierung
Sn63Sn-37.0Pb183 °CEutektischer bleihaltiger Klassiker

Weiter zu den Sortimenten: bleifreie und bleihaltige Lötpaste, niedrigschmelzende sowie silberfreie und silberarme Systeme. Zur Einordnung der Klassen siehe Lötpaste Klassifikation, zu den Legierungen die Legierungstabelle.

Vor dem Reflow steht der Pastenauftrag

Wie die Paste auf die Leiterplatte kommt, entscheidet mit über das Reflow-Ergebnis. Almit deckt alle drei Wege mit passenden Rezepturen ab.

Häufige Fragen

Reflowlöten und Dampfphase – kurz beantwortet

Was ist der Unterschied zwischen Reflowlöten und Dampfphasenlöten?

Beim Reflowlöten wird die Lötpaste in heißer Luft oder heißer Stickstoffatmosphäre aufgeschmolzen. Beim Dampfphasenlöten dient der Dampf einer inerten Fluoridflüssigkeit als Wärmeträger; genutzt wird die freigesetzte Kondensationswärme, wodurch die Wärmeübertragung schneller ist als beim Konvektions-Reflow-Löten.

Warum eignet sich Dampfphasenlöten für wärmeempfindliche Bauteile?

In der Dampfphase herrscht eine homogene Temperatur, die eine Hitzebeschädigung der Leiterplatte verhindert. Die Überhitzung fällt geringer aus als beim Infrarot-Reflow-Löten.

Kann beim Dampfphasenlöten ein schwächeres Flussmittel verwendet werden?

Ja. Da das Lot in der Dampfphase nicht oxidiert, kann ein schwächer aktiviertes Flussmittel eingesetzt werden als gewöhnlich.

Was sind Lunker beziehungsweise Poren in der Lötstelle?

Poren sind gasförmige Einschlüsse in der Lötverbindung. Sie senken die Wärmeleitfähigkeit; bei Bauteilen mit hohen Strömen kann die Wärme nicht mehr ausreichend abgeführt werden, was zu hohen Bauteiltemperaturen und geringerer Lebensdauer führt.

Welche Lötpaste reduziert die Lunkerbildung?

NH(LVA) ist eine halogenfreie Low-Voiding-Rezeptur (L0), die Lunker deutlich reduziert und zugleich die Druckbarkeit verbessert. SUC-UI (L1) ist ebenfalls auf besonders geringe Lunkerbildung ausgelegt.

Welche Lötpaste empfiehlt Almit für den Reflow-Prozess?

GT(R)-SR (L1) ist der aktuelle Topseller unter den bleifreien Lötpasten. Unter den halogenfreien Systemen ist NH-GE (L0) mit Dual-Boost-Aktivierung die aktuelle Top-Empfehlung.

Gibt es Reflow-Lötpasten für niedrige Prozesstemperaturen?

Ja. Mit der eutektischen SnBi-Legierung LFM-65 (Sn-58Bi) liegt der Schmelzpunkt bei 139 °C. Die indiumhaltige SABI-Legierung LFM-70 senkt den Schmelzbereich auf 194–206 °C.

Welche Reflow-Paste passt zu Ihrem Profil?

Oberflächen, Bauteilmix, Peak-Temperatur und Lunkeranforderung bestimmen die Auswahl. Sprechen Sie mit Ihrem Almit-Fachberater.